Technische Souveränität braucht mehr als EU-Logo

In ihrem Paket zur technologischen Souveränität schlägt die EU-Kommission eine Reihe von Maßnahmen vor, die Europas Kompetenzen in den Bereichen Halbleiter, künstliche Intelligenz, Cloud-Computing und Open-Source-Software stärken sollen. Das heißt als Ziel auch; mehr Europa und weniger Abhängigkeiten von den großen Tech-Playern in den USA und China. Max Hampel von Digitalcourage sieht damit die Arbeit aber noch nicht getan.

EU/Centonze Claudio

EU Digital COVID Certificate

„Digitale Souveränität heißt für uns nicht einfach dieselben überwachungs- Intensiven Strukturen nur mit europäischem Logo, sondern Europa sollte öffentliche, offene und gemeinwohlorientierte digitale Infrastruktur aufbauen. Datenschutzfreundlich, interoperabel, transparent und möglichst auf freier Software basierend. Ein Beispiel dafür wäre beispielsweise das Fediverse als Alternative zu den sozialen Netzwerken
von den amerikanischen Big Tech Unternehmen“.

Die EU versucht nicht erst seit jetzt, europäische Lösungen denen der großen Big Tech-Unternehmen entgegenstellen. Doch vieles ist auch eine Frage der Akzeptanz. WERO ist ein Beispiel. Als ein europäisches digitales Zahlungssystem entwickelt, soll WERO eine einfache Möglichkeit zu bieten, Geld sofort zwischen Bankkonten zu versenden – ähnlich wie andere mobile Bezahldienste, aber speziell für Europa konzipiert. Für Thomas ist der Bezahldienst aber noch nicht das, was es sein soll.
„WERO kenne ich zwar, aber macht relativ wenig Sinn, wenn man das privat nutzt, weil, wenn man irgendwas im Internet kauft, eigentlich… also ich habe es noch nicht gesehen, dass irgendjemand WERO anbietet. Stattdessen ist PayPal immer dabei und die üblichen anderen. Also, solange das nicht funktioniert, wird sich das auch nicht durchsetzen.“

Max Hampel von Digitalcourage sieht Akzeptanz auch im wieder im Zusammenhang mit „kann ich machen, muss ich nicht machen“.

„Akzeptanz entsteht vor allem dann, wenn Menschen digitale Angebote als hilfreich erleben und nicht als Zwang. Wer Digitalisierung politisch durchsetzen will, muss Wahlfreiheit, Datenschutz und analoge Alternativen mitdenken.“