Die Angst der LGBTIQ-Community an ungarischen Schulen

Die EU-Spitzen haben sich gerade in Ungarn getroffen. Thema waren u.a. die transatlantischen Beziehungen unter Trump. Unter Trumps Buddy Viktor Orban wurde in Ungarn – trotz aller Kritik aus der EU – 2021 ein Gesetz verabschiedet, das die Darstellung von Homo- und Transsexualität in Lehrplänen, Büchern, Filmen und Werbung verbietet. Um Kinder und Jugendliche unter 18 zu schützen, so die Begründung. Doch vor allem gibt es Verunsicherung und auch Hass, sagt Luca Dudits von der Háttér Society, der größten LGBTQI-Organisation in Ungarn. Die Situation an Schulen war geprägt von Unsicherheit.

Daniele Weber

Luca Dudits


„Viele Lehrer haben uns gefragt, ob sie über irgendwas reden dürfen, was mit LGBTQI zu tun hat. Das Gesetz sieht offiziell überhaupt keine Einschränkungen für Lehrer vor. Sie sollten also weder in ihrer Redefreiheit noch in der Wahl ihrer Lehrinhalte eingeschränkt werden, aber viele Schulleiter hatten Angst, dafür bestraft zu werden. Sie versuchen also, das durchzusetzen, obwohl das Gesetz Lehrer nicht einschränken sollte.“

Wir haben Lehrer, Psychologen, Eltern, und auch Jugendliche, die sich an uns wenden, um Beratung oder Hilfe zu bekommen, sagt Luca Dudits. Doch auch persönliche Beratungsgespräche für unter 18-jährige sind verboten. Aber die Informations- und Beratungs-Hotline ist anonym. An Schulen hilft das allerdings nicht – etwa wenn Jugendliche gemobbt werden, und deshalb Hilfe suchen.

„Wir hatten einen Schulpsychologen, dem gesagt wurde, dass die Psychologen mit den Klienten, die sich mit Schülern an sie wenden, nicht über LGBTQ-Identitäten sprechen sollten, obwohl diese Gespräche unter vier Augen stattfinden und es normalerweise der Klient oder der Schüler ist, der diese Fragen stellt. Das bedeutet auch, dass Schüler, die Opfer homophober oder transphober Schikane sind, nicht wissen, ob sie sich an den Lehrer wenden können. (…) wir haben vor zwei oder drei Jahren eine Umfrage durchgeführt, die hat gezeigt, dass für mehr als die Hälfte der Schüler, die sich an ihre Lehrer wenden und ihnen sagen, dass sie gemobbt werden, nichts getan wird.“

Das Interview mit Luca Dudits hat Euranet Plus-Kollegin Daniele Weber aus Luxemburg geführt.