In Brüssel läuft aktuell die Grüne Woche. Das ist die größte jährliche Umweltkonferenz der EU. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf der Kreislaufwirtschaft und wie die Wettbewerbsfähigkeit der EU dadurch verbessert werden kann. Und Kreislaufwirtschaft fängt für uns alle da an, wo wir Second Hand kaufen oder unseren Toaster reparieren lassen.

„All das sind gute Beispiele, wie die Bürger unser aller Verhalten ändern können, indem sie mehr Kreislauf-Gewohnheiten entwickeln.“
Warum das noch nicht reicht, hat EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall jetzt zum Auftakt der Grünen Woche gesagt. In unruhigen Zeiten müssten wir sozusagen aus Zitronen Limonade machen.
„Wir müssen unsere Denkweise ändern. Nicht nur bei den Verbrauchern, sondern auch bei den Unternehmen. (…) Wir sind ein Kontinent mit vielen Fähigkeiten und hohen Standards, aber wir sind auch ein Kontinent mit begrenzten natürlichen Ressourcen. Also müssen wir weg vom linearen „Nehmen-Herstellen-Entsorgen“- Modell. Nirgends in der Natur gibt es lineare Modelle. Und des Menschen bester neuer Freund – ChatGPT – bestätigt das. Dort gibt es tatsächlich nur ein Beispiel: ein Meteorit, der in die Erdatmosphäre kracht.“
An der Grünen Woche nehmen neben Politik und Industrie auch NGOs, und Bürgerinnen und Bürger teil. Ihnen allen hat die Kommissarin zum Auftakt die Frage gestellt: Wenn in der Natur alles einen Kreislauf durchläuft, warum dann nicht auch bei uns? Die Antwort hat sie gleich mitgeliefert: Es geht ums Geld! Etwa bei Textilien …
„Der politische Rahmen für Textilien ist solide. Die getrennte Sammlung ist etabliert, die erweiterte Herstellerverantwortung steht kurz vor der Einführung, Ökodesign-Anforderungen sind in Sicht, Recyclingtechnologien sind vorhanden, aber Investitionen in Recyclingkapazitäten werden erst dann getätigt, wenn die Investoren sicher sind, dass sie ihre recycelten Fasern verkaufen können. Heute ist das nicht der Fall. Oder Plastik. Die Preise für Neukunststoffe sind so niedrig und unvorhersehbar, dass viele Recyclinganlagen in der EU in Schwierigkeiten geraten. Und sie sind mit einem massiven Zustrom billiger Kunststoffe konfrontiert. Wir müssen gleiche Wettbewerbsbedingungen für Sekundärrohstoffe schaffen.“