EU-Verbraucherschützer reichen Beschwerde gegen TikTok ein

Verbraucherschutz, Datenschutz, Jugendschutz, alles strenge hohe Standards in der EU – und von TikTok sehr großzügig ausgelegt. Europäische Verbraucherschützer haben gemeinsam mit der EU-Kommission eine Beschwerde gegen TikTok eingereicht.

Holger Winkelmann | Euranet Plus

Die vor allem bei Kindern und Jugendlichen beliebte Video- und Social Media-Plattform falle u.a. beim Kinderschutz durch, so die Kritik. Im Januar war ein 10 jähriges Mädchen erstickt, weil es bei einer TikTok-Challenge mitgemacht hat. Das zeigt auch, dass TikTok die eigenen Geschäftsbedingungen, u.a. mit einem Mindestalter von 13 Jahren, in keinster Weise einhält, sagt Steven Berger von der Europäischen Verbraucherschutz-Organisation BEUC.

„Wir haben hier einen Test durchgeführt, um festzustellen, was man auf der Plattform sehen kann, wenn man sich als 15-Jähriger anmeldet. Und nach ein paar Minuten kamen wir zu Videos, die sehr explizit waren – also klarer sexueller Natur und so weiter. Und für uns ist das ein echter Mangel an professioneller Sorgfalt. „

Die dänische EU-Abgeordnete Karen Melchior sieht ebenfalls Handlungsbedarf. Auch Handlungsbedarf, die digitalen Regeln zu reformieren.

„Ich denke, dass der tragische Tod des Kindes in Italien die Notwendigkeit einer guten Regulierung der Plattformen zeigt, und dass die Zeit der Selbstregulierung vorbei ist. Ich hoffe, dass wir mit dem DSA in der Lage sein werden, die Plattformen verantwortlich zu machen, anstatt nur Hochglanzbroschüren zu verschicken. “

DSA, der Digital Services Act, oder das Gesetz über digitale Dienste soll Plattformen zähmen und die Verbraucherrechte stärken. Die großen Plattformen sollen mit dem DSA auch stärker verpflichtet werden, Inhalte mehr auf Risiken zu überprüfen und zu warnen. Die Vorschläge zum Digital Services Act werden aktuell vom EU-Parlament und Rat diskutiert. Doch mit einem abschließenden Ergebnis wird nicht vor 2023 gerechnet.