Kriegskosten: nicht nur Energiepreise steigen

Der Krieg im Iran und die Situation in Nahen Osten haben nicht nur die Sprit- und Energiepreise in die Höhe schnellen lassen. Denkfabriken, Forschungsinstitute, Verbände und NGOs sehen sogar die Versorgung mit Lebensmitteln gefährdet, weil u.a. Düngemittel nicht durch die blockierte Straße von Hormus kommen. Die Euranet Plus-Kollegen von Renascença in Portugal haben mit Pedro Santos von der Agrar-Consulting-Firma Consulai gesprochen.

„Beim Reisanbau beispielsweise entfallen 30 bis 35 % der Kosten auf Düngemittel und Pestizide. Bei Weizen sind es etwa 40 %, bei Äpfeln und Birnen etwa 20 bis 25 %. Es handelt sich also um erhebliche Kosten. In vielen Fällen ist das – neben den Personalkosten – der wichtigste Produktionsfaktor.“

Bildausschnitt zeigt einen Teil eines großen Einkaufs auf dem Kassenband eines Supermarktes.

Greenpeace kritisiert, dass der Begriff „Ernährungssicherheit“ ausgehöhlt und als Waffe eingesetzt wird. Damit müsse man rechnen, so Greenpeace. Großindustrielle Akteure würden sich bereits als einziges Bollwerk gegen leere Regale positionieren. Und dabei sei das chemieabhängige Modell der industriellen Landwirtschaft, das, was das globale Ernährungssystem überhaupt erst so fragil mache. In Estland haben die Euranet Plus-Kollegen von Kuku Raadio mit Raivo Vare gesprochen. Der Wirtschaftsexperte sieht bei der Energie-Krise noch Monate vor uns liegen.

„Diese Auswirkungen werden in keinem Fall in weniger als vier Monaten verschwinden. Selbst wenn die Kampfhandlungen beendet werden. Die Nachwirkungen der Ölkrise von 1973 dauerten schätzungsweise über vier Monate an. Die Ölkrise von 1979 dauerte ein Jahr. (…) Insgesamt wird geschätzt, dass rund 3.000 Schiffe auf den Weltmeeren betroffen sein werden. Die meisten davon hängen mit Treibstoff zusammen, aber nicht nur.“

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