Faktencheck zu Erneuerbaren und Blackout

Der große Stromausfall in Spanien und Portugal Ende April dieses Jahres hat eine hitzige Debatte über die Nutzung erneuerbarer Energien in Europa ausgelöst. Das Faktencheck-Team von Euranet Plus hat einige Behauptungen überprüft, die im Zuge der Debatte aufgestellt wurden. Hermine Donceel fasst die für uns zusammen. Hermine, es hat ja eine ganze Welle von Falsch- und Desinformationen gegeben. Darunter auch die Behauptungen, der Stromausfall sei durch einen russischen Cyberangriff oder durch Sonneneruptionen verursacht worden…

Zwei Windräder zwischen Bäumen im Sonnenuntergang.

Wir haben auch Aussagen gesehen und gehört, die fälschlicherweise Energieversorgern wie der spanischen Red Eléctrica und Politikern wie der Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen zugeschrieben wurden. Der Stromausfall hat die Energiewende des Kontinents wieder in den Fokus gerückt; die relativ hohe Abhängigkeit Spaniens und Portugals von erneuerbaren Energien sei schuld. Das hat auch die Skepsis derjenigen geschürt, die glauben, dass Europa zu stark in erneuerbare Energien investiert und sich stärker auf sogenannte „konventionelle“ Energien wie Gas und Kohle verlassen sollte.

Es gab viele Kontroversen, und die lokalen Behörden haben lange gebraucht, um zu klären, was passiert ist. Sind die Untersuchungen jetzt endlich abgeschlossen?

Ja. Untersuchungen der spanischen Regierung und des spanischen Netzbetreibers haben ergeben, dass erneuerbare Energien, insbesondere die Solarenergie, die Spanien und Portugal mittlerweile in großem Umfang nutzen, nicht für den Vorfall Ende April verantwortlich waren. Beide Untersuchungen haben den Stromausfall auf Überspannung und Betriebsfehler zurückgeführt. Das Centre for European Policy Analysis hat festgestellt: „der Stromausfall in Spanien war ein Versagen des Managements, nicht der Technologie“.

Es gibt auch viele Behauptungen, dass erneuerbare Energien die Cyber-Anfälligkeit erhöhen. Stimmt das?
Jaein….

Weil Stromnetze immer mehr digital vernetzte erneuerbare Energiequellen integrieren und auf das Internet der Dinge (IoT) angewiesen sind, bieten sie eine größere Anzahl von Einstiegspunkten für Cyberangriffe. Die dezentrale Struktur dieser Netze bedeutet auch, dass ein Ausfall in einem Teil des Netzes eine Kettenreaktion von Problemen an anderen Stellen auslösen kann, wenn das Problem nicht richtig behoben wird. Auch hier liegt die größte Schwachstelle nicht in den erneuerbaren Energien selbst, sondern darin, wie gut die Betreiber mit Cyberrisiken umgehen.


Die Schuldzuweisungen im Bereich erneuerbare Energien

Zusammengefasst von Hermine Donceel vom Euranet Plus Fact Checking-Team

Der große Stromausfall in Spanien und Portugal Ende April dieses Jahres hat eine hitzige Debatte über die Nutzung erneuerbarer Energien in Europa ausgelöst. Wir von Euranet Plus haben einige Behauptungen überprüft, die im Zuge dieser Debatte aufgestellt wurden.

Der Stromausfall auf der Iberischen Halbinsel am 28. April hat eine Welle von Falsch- und Desinformationen ausgelöst. Darunter auch falsche Behauptungen, er sei durch einen russischen Cyberangriff oder durch Sonneneruptionen verursacht worden. Wir haben auch Aussagen gesehen und gehört, die fälschlicherweise Energieversorgern wie der spanischen Red Eléctrica und Politikern wie der Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen zugeschrieben wurden. Der Stromausfall hat die Energiewende des Kontinents wieder in den Fokus gerückt; die relativ hohe Abhängigkeit Spaniens und Portugals von erneuerbaren Energien sei schuld. Das hat auch die Skepsis derjenigen geschürt, die glauben, dass Europa zu stark in erneuerbare Energien investiert und sich stärker auf sogenannte „konventionelle“ Energien wie Gas und Kohle verlassen sollte.

Es gab viele Kontroversen, und die lokalen Behörden haben lange gebraucht, um zu klären, was passiert ist. Sind die Untersuchungen jetzt endlich abgeschlossen?

Ja. Untersuchungen der spanischen Regierung und des spanischen Netzbetreibers haben ergeben, dass erneuerbare Energien, insbesondere die Solarenergie, die Spanien und Portugal mittlerweile in großem Umfang nutzen, nicht für den Vorfall Ende April verantwortlich waren. Beide Untersuchungen haben den Stromausfall auf Überspannung und Betriebsfehler zurückgeführt. Das Centre for European Policy Analysis hat festgestellt: „der Stromausfall in Spanien war ein Versagen des Managements, nicht der Technologie“.

Trotzdem geben Kritiker den erneuerbaren Energien die Schuld für den Stromausfall. Was waren die häufigsten Behauptungen? Und sind sie alle irreführend?

Der Vorfall hat eine breitere Diskussion über erneuerbare Energien und darüber ausgelöst, inwiefern sie Europa für künftige Krisen anfällig machen könnten. Wir haben drei der häufigsten Behauptungen identifiziert, die nach dem Vorfall weit verbreitet waren. Die erste lautet, dass erneuerbare Energien das Risiko von Stromausfällen erhöhen.
Unser Urteil lautet, dass diese Behauptung größtenteils falsch ist.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Generatoren fehlt Wind- und Sonnenenergie die sogenannte inhärente Rotationsträgheit. Das bedeutet, dass sich eine Turbine auch dann noch kurzzeitig weiterdreht, wenn die mechanische Eingangsleistung reduziert wird. Dadurch ist sie widerstandsfähig gegenüber plötzlichen Veränderungen und trägt zur Stabilisierung der Netzfrequenz bei. Einige erneuerbare Energien wie Wasserkraft und Geothermie können dies ebenfalls, Solar- und Windenergie jedoch nicht. Sie sind auf Wechselrichter angewiesen, um mit der richtigen Frequenz zu funktionieren. Und da Wind- und Sonnenenergie naturgemäß Schwankungen unterliegen, müssen diese Netze sorgfältig gesteuert werden, um ihre ordnungsgemäße Funktion sicherzustellen.

Es besteht also eine Schwachstelle, aber es ist wichtig, klarzumachen, klar zu sagen, dass die nicht auf die Technologien selbst zurückzuführen ist, sondern auf die Umsetzung innerhalb eines Netzes. Die Faktenprüfungsorganisation Science Feedback sagt: und ich zitiere: „Solarzellen oder Windkraftanlagen die Schuld zu geben, ist so, als würde man Wasser für ein undichtes Rohr verantwortlich machen.“

Wir sollten auch bedenken, dass es bereits viele Lösungen gibt, um die ordnungsgemäße Funktion von Wind- und Solarenergie sicherzustellen. Energiespeicher wie Batterien spielen eine wichtige Rolle bei der Netzstabilisierung. Echtzeitüberwachung und verbesserte Prognosen könnten dazu beitragen, künftige Ausfälle zu verhindern, und eine engere Vernetzung der nationalen Stromnetze könnte ebenfalls dazu beitragen, Stromausfälle zu verhindern. Analysten und Branchenexperten fordern die europäischen Staats- und Regierungschefs auf, weiterhin in diese Lösungen zu investieren.

Es gibt auch viele Behauptungen, dass erneuerbare Energien die Cyber-Anfälligkeit erhöhen. Stimmt das?

Jaein….
Weil Stromnetze immer mehr digital vernetzte erneuerbare Energiequellen integrieren und auf das Internet der Dinge (IoT) angewiesen sind, bieten sie eine größere Anzahl von Einstiegspunkten für Cyberangriffe. Die dezentrale Struktur dieser Netze bedeutet auch, dass ein Ausfall in einem Teil des Netzes eine Kettenreaktion von Problemen an anderen Stellen auslösen kann, wenn das Problem nicht richtig behoben wird. Auch hier liegt die größte Schwachstelle nicht in den erneuerbaren Energien selbst, sondern darin, wie gut die Betreiber mit Cyberrisiken umgehen.
Die Zahl der versuchten Cyberangriffe auf Energieversorger ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Laut der Internationalen Energieagentur gab es im Jahr 2024 durchschnittlich 1.500 Sicherheitsverletzungen pro Woche bei Versorgungsunternehmen. Es ist jedoch zu beachten, dass Cyberangriffe im gesamten Energiesektor zunehmen und neben Anbietern erneuerbarer Energien auch Öl- und Gasunternehmen sowie Unternehmen aus dem Nuklearbereich betreffen. Beobachtern zufolge hinkt die EU bei den Investitionen in Cybersicherheit hinter Nordamerika und Asien hinterher. Dies ist jedoch ihre beste Chance, um den Schutz erneuerbarer und anderer Energiequellen vor Cyberangriffen zu gewährleisten.

Die Kernenergie hat in den letzten Jahren international wieder an Boden gewonnen, wobei EU-Mitgliedstaaten und Institutionen wie die Weltbank ihre Unterstützung für ihre Rolle im Kampf gegen den Klimawandel bekräftigt haben. Allerdings bestehen weiterhin Spannungen zwischen Befürwortern erneuerbarer Energien und Anhängern der Kernenergie. In diesem Zusammenhang wurden viele Stimmen laut, die argumentieren, dass erneuerbare Energien mit der Kernenergie unvereinbar seien.

Befürworter der Kernenergie haben schnell Spaniens Netto-Null-Politik für den Stromausfall verantwortlich gemacht und behauptet, dass eine stärkere Nutzung der Kernenergie den Vorfall hätte verhindern können. Befürworter einer verstärkten Nutzung der Kernenergie behaupten manchmal, dass Kernenergie und erneuerbare Energien in einem Entweder-Oder-Verhältnis stehen, dass man sich für das eine oder das andere entscheiden muss. Das ist nicht wahr. Tatsächlich setzen viele Länder beide in ihren Klimaschutzstrategien ein.

Trotz der Meinungsverschiedenheiten zwischen Befürwortern erneuerbarer Energien und Kernenergie entwickeln mehrere europäische Länder – darunter Frankreich, Finnland und die Niederlande – Kernenergie parallel zu erneuerbaren Energiequellen.

Da möchte ich noch hinzufügen, dass die Umsetzung der Kernenergie laut dem Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimawandel (IPCC) der Vereinten Nationen langsam und kostspielig sein kann. Und nicht alle sind sich einig, dass es sinnvoll ist, Kernenergie in eine Strategie zur Eindämmung des Klimawandels einzubeziehen. Das Europäische Umweltbüro (EEB) hat argumentiert, dass – und ich zitiere: „der Bau neuer Kernkraftwerke zur rechtzeitigen Dekarbonisierung Europas unrealistisch ist”, dass aber „die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, Energieeinsparungen und Flexibilitätsinstrumente eine stabile Energieversorgung gewährleisten und fossile Brennstoffe sowie die verbleibende Kernenergie im Energiemix vollständig ersetzen können”.

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Unser Faktencheck hat gezeigt, wie Missverständnisse über erneuerbare Technologien Zweifel an der Energiewende säen können. Ich sage: eine der vielen Herausforderungen, vor denen Europa heute steht, besteht darin, der Öffentlichkeit sowohl die Vorteile als auch die Risiken „sauberer“ Energie zu vermitteln. Dies ist besonders schwierig in einer Zeit, in der die Öffentlichkeit mit Fehlinformationen und Desinformationen über erneuerbare Energien und die grüne Wende im Allgemeinen überflutet wird.