Ist Wien ein Wohnen-Wonderland? Es scheint so, wenn es um bezahlbaren Wohnraum geht. Und das liegt am seit 100 Jahren gewachsenen sozialen Wohnungsbau. Das Thema bezahlbarer Wohnraum ist in der gesamten EU ein schwieriges Thema. Der Sonderausschuss des EU-Parlaments zur Wohnraumkrise in der EU hat jetzt eine Delegation nach Wien geschickt, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Die Ausschussvorsitzende Irene Tinagli nimmt vom „Wiener Modell“ vor allem mit:

„…ein wirklich umfassendes, breit angelegtes und nachhaltiges Modell, das schon seit Jahrzehnten besteht. Das macht es interessant, aber gleichzeitig auch schwer nachzumachen, für solche, die spät dran sind. Es ist im Vergleich zu anderen Orten wirklich einem großen Teil der Bürger gewidmet, und zwar nicht nur den schwächsten Menschen und Bürgern, sondern auch einem großen Teil der Mittelschicht. Das hilft, den sozialen Wohnungsbau und andere Projekte inklusiver zu gestalten. Es verhindert die Entstehung von Diskriminierung und Ghettos, die in manchen Städten zu den Problemen gehören. Das macht die Sache sehr interessant. Und weil es so breit gefächert und umfassend ist, scheint es auch eine abfedernde Wirkung auf die Gesamtpreise zu haben, wodurch diese Stadt etwas besser dasteht – im Vergleich zu den Preisanstiegen, die wir in anderen Städten gesehen haben.“
Auch der Mix der Beteiligten am sozialen Wohnungsbau in Wien sei ein besonderer Weg, so Tinagli. Der öffentliche Sektor für die Planung und Zugang, und die Beteiligung des privaten und gemeinnützigen Sektors seien im Vergleich geradezu einzigartig. Doch mehr Geld wird auch in Wien gebraucht. Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum steigt auch dort und der Sanierungsbedarf im Bestand ist hoch.
„Wir nehmen das als eine Art Warnung mit, und als eine Bitte um Unterstützung seitens der EU und der europäischen Institutionen. Daran werden wir auf jeden Fall weiterarbeiten und sehen, was wir auf europäischer Ebene tun können, um diesen Bedarf zu decken.“
Der Sonderausschuss zur Wohnraumkrise in der EU ist für 12 Monate eingesetzt und hat die Aufgabe, gemeinsam mit Experten, Interessenvertretern und Bürgerinnen und Bürgern politische Empfehlungen zu entwickeln.