Coolcation ist der Klimawandel im Tourismus

Coolcation ist die schöne Wordkreation aus Cool und vacation. Der Trend, den Sommerurlaub an Orten zu verbringen, denen die Sommerhitze bislang nichts anhaben konnte. Also lieber 15-25 statt 35-45 Grad? Die Euranet Plus-Kollegen von Kuku Raadio in Estland sagen: Ja! Sie haben mit Killu Maidla gesprochen. Sie ist u.a. die ehemalige Geschäftsführerin des Estnischen Hotel- und Restaurantverbands.

Bild eines Jungen, der bei strahlend blauem Himmel kopfüber in das Becken eines Freibades springt.

„In Estland gibt es definitiv mehr „Klima-Touristen“. Interessant ist dabei, dass ganz Skandinavien in den Fokus rückt, wenn man sich den Begriff „Coolcation“ – also diese Art des Tourismus zur Abkühlung – ansieht. Es gibt in Skandinavien bereits etliche Reiseanbieter, die sich darauf spezialisiert haben und erfolgreich am Markt agieren.“

Das Baltikum und Skandinavien sind also aus touristischer Sicht erstmal Gewinner der Hitzewellen. Doch heißt das, dass der Süden Europas touristisch auf der Verliererseite steht? Alles eine Frage der Anpassung, sagt die Tourismusexpertin aus Estland.

„Ich denke, dass der Klimawandel und die Hitzewellen in Europa der letzten Jahre einerseits unserem Tourismus zugutekommen. Andererseits könnte man meinen, der Tourismus in Südeuropa sei zurückgegangen oder die Menschen würden nicht mehr so häufig dorthin reisen. Die Realität sieht aber anders aus: Die Länder im Süden haben die Situation zum Anlass genommen, die Saison auf das Frühjahr und den Herbst auszuweiten. Zwar reisen vielleicht weniger Menschen während der heißen Sommermonate dorthin, doch dafür besuchen mehr Urlauber die Regionen in den Zeiten unmittelbar davor und danach, wenn es keine Hitzewellen gibt.“

Die Gemeinsame Forschungsstelle der EU hat 2023 die potentiellen langfristigen Auswirkungen des Klimawandels auf den Tourismus untersucht. Und auch dort heißt es: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die klimatischen Bedingungen die Tourismusnachfrage maßgeblich beeinflussen, wobei Küstenregionen am stärksten betroffen sind.“