Blut und Plasma: Was wenn Lieferketten reißen?

Blut und Plasma können bei medizinischen Eingriffen oder Therapien auch mal über Leben und Tod entscheiden. In der EU ist das System von Spendern abhängig und nicht in allen EU-Ländern gibt es Geld für Blut- und Plasmaspenden. Große Mengen Blutplasma müssen außerdem aus den USA importiert werden, um den Bedarf decken zu können. Angesichts der globalen Unsicherheiten stellt sich dann auch hier die Frage: Was, wenn Lieferketten reißen? Die Euranet Plus-Kollegen von Radio Agora in Österreich haben mit Monika Maria Wiesner von BioLife Europe gesprochen.

Blick durch eine offene Glastür im Krankenhaus, auf der Tür der Schriftzug "Ambulanz".

„Wenn Lieferketten ins Stocken geraten, dann wird aus einer abstrakten Abhängigkeit sehr schnell ein konkretes Versorgungs- und Patientenrisiko. Denn plasmabasierte Therapien lassen sich nicht einfach kurzfristig ersetzen.“

Um in der EU einheitliche Standards und Regeln zu haben, hat gibt es die SoHo-Verordnung. SoHo steht für Substanzen menschlichen Ursprungs. SoHo soll die Rechte der Spendenden festlegen und die Menschen, die Blut-, Zell- oder Gewebespenden erhalten, bestmöglich vor vermeidbaren Risiken schützen. Gleichzeitig setzt die Verordnung Anforderungen an Betriebsstätten und das Qualitätsmanagement.

„Österreich war Vorreiter in Europa, sowohl in der Plasmasammlung als auch in der Verarbeitung von Plasma, und hat über die letzten 65 Jahre ein sehr starkes System etabliert, wo mehrere Dinge zusammenkommen: Spenderschutz und allerhöchste Qualitätsstandards, klare Regeln, eine gute Spendeinfrastruktur, und eine Aufwandsentschädigung für den erheblichen Zeitaufwand, den Spender leisten.“
SoHO ist als einheitlicher europäischer Rechtsrahmen ist seit August 2024 in Kraft, und muss bis August 2027 in allen Mitgliedstaaten umgesetzt sein.

„Wir sehen ganz einfach, dass nur in jenen Ländern ein signifikantes Volumen an Blutplasma aufgebracht wird, wo der Aufwand der Spender entschädigt wird. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines Rahmens, der einfach Versorgungssicherheit mitdenkt und sowohl Spender als auch Patienten in den Mittelpunkt stellt.“