Wattwürmer als Wunderwaffe

Wer schon mal am Nordseestrand unterwegs war, ist ihnen garantiert begegnet, ohne sie gesehen zu haben. Im Wattenmeer sieht man überall so kleine Häufchen, die aussehen wie Spaghetti-Eis aus Sand. Und das zeigt, hier war der Wattwurm aktiv. Für mich persönlich ein Tier, dass nicht durch seine Schönheit auffällt. Aber, wie so oft, sind die inneren Werte von ganz besonderem Wert.

Holger Winkelmann | Euranet Plus

„Dieses Meer hat den Schlüssel, um Leben zu retten. Der Wurm war eines der ersten Lebewesen, die die Ozeane verlassen haben, um die Erde zu besiedeln.“

Franck Zal aus Frankreich ist Erfinder. Und als solcher nutzt er das Potenzial des Wattwurms für ganz außergewöhnliche Aufgaben.

„Wir haben beim Wattwurm ein Molekül namens M101 entdeckt. Ein Vorläufer aller roten Blutkörperchen auf unserem Planeten. M101 kann Sauerstoff binden; es fungiert als Sauerstoffträger. Wenn man dieses Molekül aus dem Wurm gewinnt, erhält man ein Mittel, um Sauerstoff zuzuführen und lebenswichtige Funktionen wiederherzustellen. Dieses Molekül liegt extrazellulär vor und ist universell einsetzbar – eine Bestimmung der Blutgruppe ist nicht erforderlich. Es eignet sich für die Behandlung unterschiedlichster Krankheitsbilder, bei denen Sauerstoff benötigt wird, etwa bei Schlaganfällen oder Herzmuskelproblemen. Ich bin überzeugt, dass dieses Produkt weltweit für eine Revolution sorgen wird.“

Eine ganz wichtige Anwendung kommt bei Organtransplantationen zum Tragen. Denn jede Organentnahme ist ein Wettlauf gegen die Zeit, weil die entnommenen Organe ohne Sauerstoffzufuhr durch Blut schnell unbrauchbar werden. Wattwürmer können dank ihres einzigartigen, extrazellulären Hämoglobins bei Ebbe bis zu sechs Stunden ohne Sauerstoff überleben. Und das M101-Molekül kann zu einem universell kompatiblen Sauerstoffträger umgewandelt werden. Ist das einen Europäischen Erfinderpreis für Franck Zal wert? Die Verleihung des Europäischen Erfinderpreises 2026 wird am 2. Juli 2026 live aus Berlin übertragen.