Immer mehr Menschen brauchen humanitäre Hilfe, während es dafür immer weniger Geld gibt. Die EU-Kommission spricht von 239 Millionen Menschen weltweit. Das sei ein Allzeithoch. Und die Zahl der Krisensituationen nimmt weiter zu. In der aktuellen Folge des Euranet Plus Panorama Podcast kommt u.a. Doriana Somma zu Wort. Sie ist Projektleiterin bei Missione Calcutta Onlus, einer italienischen NGO, die unter anderem in Indien, Kenia und der Ukraine tätig ist.

„Zweifelsohne zählt zu den bedeutendsten Herausforderungen, der Rückgang der internationalen Finanzierung – das kann jeder sehen: Zahlreiche Regierungen kürzen ihre Budgets für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit, und das ausgerechnet in einer Zeit, in der die Zahl der besonders schutzbedürftigen Menschen exponentiell ansteigt. Organisationen sehen sich gezwungen, äußerst harte und schwierige Entscheidungen zu treffen: Sie müssen entscheiden, welche Programme fortgeführt und welche eingestellt werden – und damit, wem Vorrang eingeräumt wird und wem leider nicht.“
Die EU-Kommission hat in der vergangenen Woche ihre Pläne vorgestellt, um die humanitäre Hilfe zu stärken. Die EU und ihre 27 Mitgliedstaaten sind die führenden Geber weltweit. Doch auch die EU-Kommission muss mit weniger mehr machen. Das soll u.a. durch mehr Effizienz bestehender Mechanismen wie gemeinsame Beschaffung, gemeinsame Transportflotten und Ähnliches erreicht werden. Doch Geld ist nicht das einzige Problem. Die humanitären Helferinnen und Helfer sind zunehmend Gefahren ausgesetzt, sagt Doriana Somma.
„Das Gefühl der operativen Unsicherheit wächst. Viele Kollegen arbeiten in äußerst schwierigen Kontexten, in denen das Völkerrecht – einschließlich des humanitären Völkerrechts – nicht geachtet wird. Es ist für jedermann offensichtlich, dass Krankenhäuser, Schulen und zivile Infrastruktureinrichtungen jeglicher Art ins Visier genommen werden und humanitäre Helfer selbst zu Zielen werden. Dies gibt selbstverständlich Anlass zu großer Sorge.“