Faktencheck Desinformation

10 Jahre Brexit, und eine Menge ist daraus zu lernen. Für die Briten und die EU. Linda Givetash aus dem Euranet Plus-Faktencheck-Team hat sich ein paar Lehrstücke angesehen. Und allen voran steht das Thema Desinformation.

Holger Winkelmann | Euranet Plus

„Damals nahezu unbekannt hat der Einsatz von Bots in sozialen Medien, ausländische Einmischung, gezielte digitale Werbung und tendenziöse Berichterstattung in der Mainstream-Presse das Ergebnis des Referendums beeinflusst. (…) Die Kommunalwahlen im Vereinigten Königreich in diesem Monat haben erneut Alarm wegen Desinformation und der Manipulation von Wählerinnen und Wählern ausgelöst.“

Doch nichts scheint so stark heften zu bleiben, wie gut gemachte Halbwahrheiten, oder auch echte Lügen, wenn es denn ins eigene Weltbild passt. Oder wie es in einem Bericht von „UK in a Changing Europe“ von 2019 heißt:

„Zwei Drittel der britischen Bevölkerung haben die Behauptung gehört, dass das Vereinigte Königreich 350 Millionen Pfund pro Woche an die EU zahlt, und 42 % davon glauben noch immer, dass sie wahr ist.“
Wir alle in der EU wissen, Manipulationen und Desinformationen sind kein britisches Phänomen.

„Weil beide Seiten gemeinsamen Bedrohungen ausgesetzt sind, insbesondere durch Russland, haben das Vereinigte Königreich und die EU im vergangenen Jahr eine neue Strategische Verteidigungspartnerschaft geschlossen, die auch technologische Zusammenarbeit wie Cyberabwehr umfasst. Die britische Wahlkommission hat vor den Kommunalwahlen in diesem Monat ein KI-Erkennungstool zur Bekämpfung von Desinformation getestet. (…) Trotz dieser Bemühungen hat die BBC berichtet, dass KI-Chatbots Wählerinnen und Wählern im Vorfeld der Abstimmungen irreführende Informationen geliefert haben.