ACT das steht für Against Conversion Therapy. Konversionsmaßnahmen sollen homosexuelle und transgender Menschen von ihrer „Krankheit“ heilen. Und Konversionsmaßnahmen sollten EU-weit verboten werden. Das fordert eine Europäische Bürgerinitiative. Über eine Million Menschen in der EU haben dafür ihre Unterstützunterschrift gegeben. Im Ausschuss für bürgerliche Freiheiten des EU-Parlaments hatten die Organisatoren der Initiative gestern die Gelegenheit, ihr Anliegen mit den EU-Abgeordneten zu diskutieren. Francesco von ACT hat gleich deutlich gemacht: Wir reden nicht von Streicheltherapie.
EU/Lukasz Kobus Young people with EU and LGBT flag
„Konversionsmaßnahmen können gesellschaftlich sein, sie können von Eltern gepusht werden. Von Freunden oder Verwandten. Es ist verbaler und körperlicher Missbrauch. Konversionsmaßnahmen können auch medizinisch sein, also Pseudo-Psychotherapien, die nicht auf medizinischen Fakten basiert. Oder erzwungene Hormon-Injektionen, um Männer männlicher zu machen. Sie können auch religiös sein. Das Schwulsein weg beten, Gruppengespräche und in extremen Fällen Exorzismus.“
In acht EU-Staaten – darunter Deutschland – sind Konversionsmaßnahmen verboten – teils mit Abstufungen. ACT fordert nicht nur ein Verbot EU-weit. Die Initiatoren fordern auch mehr Aufklärung und mehr Hilfe für Opfer von Konversionsmaßnahmen. Im Ausschuss hat auch Benoit von seinem Leidensweg gesprochen, nachdem er als Jugendlicher seinen Eltern gesagt hat: Ich mag Männer. Nach Jahren erzwungener religiöser Gesprächs- und Gruppentherapie und Isolation habe er sich das Leben nehmen wollen, so Benoit.
„In diesen Sitzungen wurde Homosexualität als schmutzig und gefährlich bezeichnet. Mir wurde gesagt, dass schwul sein mich in die Einsamkeit, in die Hölle, zu HIV und in den Tod führen würde. Ich war jung und zu Tode erschrocken. Ich dachte mein Leben ist vorbei.“
Die Forderung, Konversionsmaßnahmen zu verbieten, und einen entsprechenden Rechtsakt vorzuschlagen, geht an die EU-Kommission. Von der hieß es: Wir prüfen noch.