Die EU mit ihren 27 Mitgliedstaaten und rund 450 Millionen Menschen gilt als einer der größten Wirtschaftsräume der Welt. Die EU ist dabei stark exportabhängig. Um neue Märkte aufzutun, sind internationale Handelsabkommen von zentraler Bedeutung. Doch das EU-Mercosur-Abkommen hat zuletzt viele Kritiker auf den Plan gerufen. Sie befürchten u.a. mehr Umweltschäden in den Mercosur – Staaten Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay. Doch es kann auch mehr Unabhängigkeit bedeuten, hat die Chefvolkswirtin der Artea Bank in Litauen den Euranet-Kollegen von Žinių Radijas gesagt.

„Es gibt in der Tat viele heikle Fragen im Zusammenhang mit der Landwirtschaft, aber der wichtigste und grundlegende Vorteil dieser Abkommen liegt in der Diversifizierung der Importkanäle. Dies bedeutet die Möglichkeit, engere Beziehungen zu Ländern zu knüpfen, die reich an seltenen Erden und vielen anderen Ressourcen sind, die Europa selbst nicht besitzt. Der Markt [für diese Rohstoffe] ist derzeit vollständig von China abhängig. Der Wunsch, unsere Importmöglichkeiten zu diversifizieren, ist daher strategisch sinnvoll, und diese Abkommen zielen genau darauf ab, unsere strategische Autonomie auf diese Weise zu stärken.“
Viele heikle Fragen im Zusammenhang mit der Landwirtschaft, sagt die Expertin…Da geht es auch um EU-Standards. Kritiker befürchten, dass in den Mercosur – Staaten nach weniger hohen Standards produziert wird, mehr Wälder abgeholzt werden, und europäische Landwirte billigere Konkurrenz befürchten müssen. Das Mercosur-Abkommen wurde zwar am 17. Januar 2026 formell von der Präsidentin der EU-Kommission unterzeichnet. Doch es ist noch nicht offiziell in Kraft. Das EU-Parlament will das Abkommen und seine Vereinbarkeit mit den Europäischen Verträgen vom Europäischen Gerichtshof überprüfen lassen. Mehr Stimmen zum EU-Mercosur- Handelsabkommen gibt es in der aktuellen Folge des Euranet Plus-Panorama-Podcast.