Faktencheck zur „Manosphere“

Die Manosphere, oder Manosphäre ist der Ort, an dem Jungs und Männer „echte Kerle“ sein können. Vor allem Online, aber auch in der analogen Welt geht es darum, frauenfeindliche und sexistische Narrative zu teilen – und das zunehmend auch mit Hilfe von KI. Das Euranetplus-Faktencheck-Team hat sich ein paar Behauptungen angeschaut. Und Hermine Donceel, aus unserem Brüssel-Team, eine Frage ist: Warum sollte man die Manosphäre überhaupt faktenchecken.

Nahaufnahme des Sternenkreises auf einer EU-Flagge.

„Die Manosphäre und Incels – Menschen, die unfreiwillig zölibatär leben – erlangten dieses Jahr durch die Fernsehserie „Adolescence“ und die Skandale um den frauenfeindlichen Influencer Andrew Tate öffentliche Aufmerksamkeit. Gleichzeitig veröffentlichte die EU dieses Jahr ihren Fahrplan für Frauenrechte, der die Gleichstellung der Geschlechter in der Gesellschaft stärken soll. Doch Geschlechtergleichstellung ist in der gesamten EU nicht selbstverständlich. Während die extreme Rechte in Europa an Einfluss gewinnt, warnte ein Bericht des UN-Generalsekretärs, dass die Ausbreitung der Manosphäre mit einem wachsenden Konservatismus unter jungen Männern einhergeht. Dies bedeutet, dass wir möglicherweise mehr von dieser Rhetorik hören werden.“

Eine Behauptung, die man in der Manosphäre immer wieder hört ist, dass die Europäische Politik eine „männerfeindliche Agenda“ verfolge – etwa mit dem Gesetz gegen Gewalt gegen Frauen- und dass Männer deshalb ihre Sexualität nicht ausleben könnten, oder sie deshalb Schwierigkeiten hätten, Beziehungen einzugehen.

„Diese Maßnahmen sollen keinesfalls Männer am Sex hindern, sondern vielmehr die Sicherheit von Frauen vor Gewalt, insbesondere Vergewaltigung, gewährleisten und ihnen einvernehmlichen Sex garantieren. Gesetze wie die Istanbul-Konvention, die im Oktober 2023 in der EU in Kraft trat, dienen der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Manche mögen die Fragen der Einwilligung und Gleichstellung als Hindernisse für die freie Entfaltung männlicher Sexualität betrachten, doch der Schutz von Frauen ist unbestreitbar. Und obwohl es in Europa keine einheitliche Definition von Vergewaltigung und Einwilligung gibt, haben wir festgestellt, dass bis 2023 20 Länder die Einwilligung in die Definition von Vergewaltigung aufgenommen haben.“