Faktencheck: Hitze, Brände und Desinformationen

Hitzewellen und Waldbrände sind Fakten, die niemand bestreiten kann. Was aber durchaus viele bestreiten, ist, dass es einem Zusammenhang mit dem Klimawandel gibt. Linda Givetash aus dem Euranet Plus Faktencheck-Team hat Beispiele gefunden wie: „Wetterstationen und Temperaturaufzeichnungen werden manipuliert“. „Chemtrails“, die Kondensstreifen der Flugzeuge sind schuld.“ Auch dass der Weltklimarat sein „Worst-Case-Szenario“ angepasst hat, sehen Klimaleugner als Beweis dafür, dass alles garnicht so schlimm ist. Die Klimapolitik wird zum Ziel von Desinformationen.

Feuerwehrpumpe mit mehreren Schläuchen

„Dem European Digital Media Observatory (EDMO) zufolge umfasst das Ökosystem der Klima-Desinformation Unternehmen der fossilen Brennstoffindustrie, parteinahe Denkfabriken, Politiker, Influencer, Werbetreibende sowie Online-Plattformen und Suchmaschinen. Auch staatliche Akteure wie Russland und die USA sind daran beteiligt. Soziale Medien sind der Hauptkanal, über den sich Klima-Desinformation verbreitet. Forschende sagen, dass Plattformen häufig reißerische oder irreführende Inhalte verstärken – insbesondere bei Extremwetterereignissen, wenn Menschen aktiv nach Informationen suchen.“

Und es gibt Unterschiede in der EU.

„In Italien konzentrieren sich Verschwörungstheorien auf Behauptungen über Geoengineering durch die NATO und HAARP, auf „Chemtrails“ sowie auf die Manipulation von Wetterstationen. Oder auch Behauptungen, dass Hitzewellenwarnungen dazu dienen sollen, den „Green Deal“ voranzutreiben. Auch in Deutschland verknüpfen Menschen Narrative eher mit politischen Themen, und weniger mit Verschwörungstheorien über Wettermanipulationen – also der Energiepolitik oder einem generellen Misstrauen gegenüber Institutionen und der Ablehnung des „Green Deal“. In Ländern, die häufig von Waldbränden betroffen sind – wie Griechenland und Spanien –, liegt der Schwerpunkt der Desinformation eher auf Katastrophenereignissen. Verschwörungstheorien behaupten, Wälder würden gezielt in Brand gesteckt, um Platz für Windkraftanlagen zu schaffen.

Der komplette Bericht:

Extreme Hitze oder einfach nur Sommer?
Europas Hitzewellen treiben den Anstieg von Klimadesinformation voran
Große Teile Europas haben in dieser Saison bereits zwei Hitzewellen erlebt, und in den Sommermonaten werden voraussichtlich weitere hohe Temperaturen folgen. Obwohl Wissenschaftler die drückende Hitze dem Klimawandel zuschreiben, hat die Desinformation, die die Erderwärmung leugnet oder verharmlost, online stark zugenommen.
Der Juni brachte im gesamten Staatenblock Rekordtemperaturen – von Spanien und Frankreich bis hin zu Ländern, die mit extremer Hitze weit weniger vertraut sind, etwa die Niederlande, Dänemark und Österreich.
World Weather Attribution kam zu dem Schluss, dass der menschengemachte Klimawandel eindeutig für die Intensität der Hitzewelle verantwortlich war und dass Temperaturen dieses Ausmaßes vor 50 Jahren nahezu unmöglich gewesen wären.
Dennoch verbreiteten sich in sozialen Medien und auch in etablierten Medien zahlreiche Formen von Klimadesinformation – von offener Leugnung des Klimawandels bis hin zu subtileren oder politisch aufgeladenen Positionen, die gezielt bestimmte Maßnahmen oder politische Strategien angreifen und so Zweifel und Verwirrung säen.
Wie sieht Klimadesinformation aus?
Die meisten Behauptungen leugnen nicht, dass Hitzewellen vorkommen. Stattdessen versuchen sie, deren Bedeutung herunterzuspielen oder Zweifel an ihren Ursachen zu säen.
Dazu gehören etwa Behauptungen, Temperaturrekorde seien irreführend, wobei reale Phänomene wie der „urbane Wärmeinseleffekt“ genutzt werden, um Zweifel zu streuen. Andere argumentieren, die aktuellen Bedingungen seien „nichts Außergewöhnliches“, da es auch in früheren Jahrzehnten Hitzewellen gegeben habe.
Viele dieser Behauptungen greifen reale historische Ereignisse oder isolierte Datenpunkte auf, lösen sie jedoch aus ihrem umfassenderen wissenschaftlichen Zusammenhang heraus.
Solche Taktiken werden nicht nur eingesetzt, um die Rolle des Klimawandels bei Extremwetter in Frage zu stellen, sondern auch, um die Klimawissenschaft insgesamt zu untergraben – und das geschieht bereits seit Jahren.
Ein AFP Fact Check aus dem Jahr 2023 verwies auf die Taktik, mit „selektiv ausgewählten“ Kohlendioxid-Daten irreführende Informationen über den Klimawandel zu verbreiten.
Ein großer Teil dieser Desinformation richtet sich weniger gegen die Klimawissenschaft selbst als vielmehr gegen Klimapolitik.
Wie unterscheidet sich das zwischen den Ländern?
Desinformation ist oft opportunistisch: Sie greift konkrete Ereignisse oder Kampagnen an einem bestimmten Ort auf und sorgt so für Variationen in den klimaskeptischen Narrativen, die in der Europäischen Union kursieren.
In Italien etwa konzentrieren sich Verschwörungserzählungen auf Behauptungen über Geoengineering durch die NATO und HAARP, auf sogenannte „Chemtrails“ sowie auf die angebliche Manipulation von Wetterstationen. Hinzu kommen Behauptungen, Hitzewarnungen dienten dazu, den europäischen Green Deal voranzutreiben.
In Ländern, die häufig von Waldbränden betroffen sind, etwa Griechenland, Spanien und Portugal, verbreiten sich dagegen eher Desinformation und Verschwörungserzählungen rund um Brandursachen und Präventionspolitik.
So kursieren in Griechenland etwa Verschwörungstheorien, wonach Wälder absichtlich in Brand gesetzt würden, um Platz für Windkraftanlagen zu schaffen. Zudem wird behauptet, Waldbrände würden von Menschen gelegt – insbesondere von Migranten – und stünden nicht im Zusammenhang mit dem Klimawandel.
Wissenschaftler unterscheiden jedoch zwischen dem Entzünden und der Ausbreitung von Bränden. Zwar werden viele Feuer durch Menschen verursacht, sei es aus Fahrlässigkeit oder Brandstiftung. Doch erst extreme Hitze, Dürre und starke Winde schaffen jene Bedingungen, unter denen sich Brände schneller ausbreiten, intensiver brennen und deutlich zerstörerischer werden.
Wer steckt hinter Klimadesinformation?
Forscher betonen, dass es keine einzelne Quelle gibt. Zu den bekannten Akteuren im Umfeld von Klimadesinformation zählen laut dem European Digital Media Observatory (EDMO) jedoch Unternehmen aus der fossilen Energiebranche, parteinahe Denkfabriken, Politiker, Influencer, Werbetreibende, Online-Plattformen und Suchmaschinen.
Das EDMO und andere Forschungsinstitute haben aufgezeigt, dass russische Kampagnen darauf abzielen, die Unterstützung für Klimapolitik zu untergraben, die öffentliche Debatte zu polarisieren und das Vertrauen in europäische Institutionen zu schwächen, indem Klimaschutz als wirtschaftlich schädlich oder politisch motiviert dargestellt wird.
Auch das NewClimate Institute verwies auf die langjährige Verbreitung falscher Behauptungen zum Klimawandel durch US-Präsident Donald Trump, darunter wiederholte Angriffe auf die deutsche Energiewende.
Ein Großteil der Desinformation zirkuliert in sozialen Medien, weshalb verschiedene Gruppen strengere Regeln fordern, um Plattformen stärker in die Verantwortung zu nehmen. Doch auch etablierte Medien spielen eine Rolle.
QuotaClimat, eine gemeinnützige klimaaktivistische Organisation, stellte fest, dass in Frankreich innerhalb von drei Monaten 128 Fälle von Klimadesinformation im Fernsehen und Radio ausgestrahlt wurden – im Schnitt etwa zehn Behauptungen pro Woche. Auf den kommerziellen Mediensektor entfielen mehr als 80 Prozent aller Fälle.
Welche Auswirkungen hat das?
Die öffentliche Meinung unterstützt Klimaschutzmaßnahmen weiterhin deutlich. Laut der jüngsten Eurobarometer-Umfrage halten 85 Prozent der Europäer den Klimawandel für ein ernstes Problem, 84 Prozent sind überzeugt, dass er durch menschliches Handeln verursacht wird, und 81 Prozent unterstützen das Ziel der EU, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen.
Gleichzeitig geben jedoch mehr als die Hälfte der Befragten an, keine klaren Informationen über den Klimawandel zu erhalten. Das lässt Raum für die Verbreitung von Desinformation. Deshalb ist es wichtig, dass die Öffentlichkeit gegenüber dem, was sie online sieht und liest, kritisch bleibt, um nicht auf irreführende Inhalte hereinzufallen.

Hinweis: KI-gestützte Übersetzung