Bei Geld hört die Freundschaft ja bekanntlich auf. Geld mit neuen Freunden machen ist dagegen gerade scheint’s verstärkt bei der EU die Devise. Seit es – auch wegen des Geldes- mit den Uralt-Freunden USA kriselt, ist u.a. Asien in den Fokus gerückt, um neue Handelspartner zu finden. In der aktuellen Folge des Euranet Plus-Panoramapodcast geht es auch um die Frage, ob mehr auch besser ist. Radio Agora in Österreich hat mit Theresa Kofler gesprochen. Die Expertin für Handelspolitik und internationale Beziehungen bei Attac Österreich vermisst in der Debatte um mehr Handelsabkommen so einiges.
„Gerade jetzt- seit die USA Handelskriege zu ihrem bevorzugten außenpolitischen Instrument erklärt haben, hat sich die Debatte verändert. Es gibt gerade sehr viel, sehr laute Stimmen in der EU, die glauben, dass wir jetzt mehr denn je mehr Handelsabkommen abschließen müssen… […] Handelsabkommen seinen das einzige Mittel, um internationale Beziehungen zu verbessern. Und was dabei in der Debatte eine Leerstelle ist, ist die Diskussion rund um andere Möglichkeiten. Zum Beispiel Abkommen, die den Ausstieg aus fossilen Rohstoffen oder Kinderarbeit in den Mittelpunkt rücken.“

Attac ist eine NGO, die sich seit mehr als 25 Jahren für eine „faire Globalisierung“ anstelle des „Neoliberalismus“ einsetzt. Handelsabkommen wie Mercosur, dem mit Indien oder Indonesien lehnt Attac ab. Viel Potential in dem gerade geschlossenen Abkommen der EU mit Indien sieht dagegen Xavier Bettel. Luxemburgs Außen- und Handelsminister hat den Kolleginnen und Kollegen von 100,7 gesagt.
„Vor allem im Finanzbereich, wo wir große Chancen sehen, aber auch in anderen Bereichen, wie der Forschung oder dem Satellitensektor, wo wir bereits einen Austausch haben. Ich plane außerdem, in diesem Jahr mit einer Wirtschaftsdelegation nach Indien zu reisen, um weitere Austausche in den kommenden Jahren vorzubereiten: im Jahr 2027 oder 2028. Ich würde auch gerne irgendwann in den nächsten zwei Jahren einen Staatsbesuch in Indien organisieren. Ich glaube, dass dies im Interesse Luxemburgs wäre“.
Und geografisch nah und doch so fern sind ja noch die alten Freunde von der Insel. Auch wenn es sich nicht um ein Handelsabkommen im eigentlichen Sinne handelt, hat es im Laufe des letzten Jahres eine echte Annäherung zwischen London und Brüssel gegeben. Zehn Jahre nach dem Bruch mit der EU gibt es noch keinen Exit vom Brexit. Aber es wird auf beiden Seiten nach neuen Möglichkeiten der Zusammenarbeit gesucht.