„Es braucht keiner zu glauben, dass irgendjemand Mitleid mit uns hat.”

Die SPD hat ihren Bundesparteitag unter das Motto gestellt: Unser Weg nach vorn#SPD erneuern. Und gemäß diesem Motto soll auch die Frage einer möglichen Neuauflage der großen Koalition diskutiert werden. Aus Brüssel wird das deutsche Politik-Schauspiel derweil weiter genau beobachtet. Da ist mittlerweile auch eine gehörige Portion Häme dabei, sagt die CDU-Europaabgeordnete Inge Gräßle, im Interview mit Euranet Plus. Claudia Knoppke hat ein paar ihrer Antworten zusammengefasst.

Europäische Union

Ingeborg GRAESSLE

Aus der Brüsseler Perspektive ist die Sicht auf Deutschland „kein schöner Eindruck und kein schöner Anblick“ Und das es kratze eben auch zunehmend am wohlgehegten Image Deutschlands, meint Inge Gräßle.

„Deutschland hat ja immer den Stabilitätsweltmeister gegeben, den Stabilitäts-Europameister. Wenn man sieht, dass Italien über 40 Ministerpräsidenten hatte, während wir sieben Kanzler in der Zeit hatten. Deutschland würde immer für sein stabiles politisches System beneidet und für die Fähigkeit zur Koalitionsbildung.“

Doch mit Neid werde jetzt nicht mehr auf Deutschland und Berlin geschaut.

„Es braucht keiner zu glauben, dass irgendjemand Mitleid mit uns hat. Das gibt es eine gehörige Portion Häme, da gibt es eine gehörige Portion, jetzt habt ihr alles, ihr seid doch immer die oberklugen Ratgeber, jetzt gebt euch doch selbst mal einen Rat…“

Und es herrscht auch zunehmend etwas Ungeduld. Denn schließlich muss es in der EU auch weitergehen, meint Inge Gräßle.

„Die Wirtschafts- und Währungsunion, die Vorschläge zum ESM, zur Ausgestaltung als Europäischer Währungsfond, die Gesamtarchitektur der EU, das muss weitergehen und da braucht man eine deutsche Position. Also dass die Deutschen sich da enthalten, oder raushalten, das geht garnicht. Deutschland muss rasch an den Verhandlungstisch zurückkehren, wegen Europa, aber auch wegen Deutschland.“