Auszeiten sind in Zeiten der ständigen Erreichbarkeit und des täglichen „Wahnsinns“ wichtiger denn je. Die Netzwerk-Kolleginnen und Kollegen von Euranet Plus haben dazu mit Expertinnen und Experten gesprochen. Eines zeigt sich deutlich: Auszeiten, und wie wir sie gestalten, ändert sich. BNR in Bulgarien hat mit Sonja Spadova vom Europäischen Verbraucherzentrum in Sofia gesprochen.

„Ein Trend, der sich sicherlich durchsetzen wird, ist die Idee, an Orte zu reisen, die mit einem Hobby in Verbindung stehen, zu einem Konzert, das man besuchen möchte, oder an einen Drehort unseres Lieblingsfilms oder unserer Lieblingsserie – und dass diese Reisen kurz sind, also nur zwei oder drei Tage dauern. Auch Tagesausflüge sind in letzter Zeit sehr in Mode gekommen, und ich gehe davon aus, dass dieser Trend in den kommenden Monaten weiter zunehmen wird. Mit anderen Worten: Man reist für deutlich weniger als 24 Stunden ins Ausland – das geht natürlich sehr schnell, macht aber gleichzeitig sehr viel Spaß.“
Laut der EU-Arbeitszeitrichtlinie haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Europa Anspruch auf vier Wochen bezahlten Jahresurlaub. In vielen Mitgliedstaaten gibt es auch mehr bezahlten Urlaub, weil Ruhe und Erholung als wesentliche Maßnahme zur Gesundheitsförderung gelten. In Deutschland kennen wir Kuren. Urlaub auf ärztliches Rezept nimmt EU-weit zu. Reiseagent Dimitris Oikonomou aus Griechenland hat SKAI gesagt:
„Ich glaube, dass die Zeit kommen wird – und zwar vielleicht früher, als wir denken –, in der Urlaub als Notwendigkeit verschrieben wird. Zukünftige Generationen, insbesondere diejenigen, die vollständig online aufgewachsen sind, haben möglicherweise ein noch größeres Bedürfnis nach echter Abschaltung und Erholung. Während ältere Generationen sowohl die digitale als auch die vordigitale Welt erlebt haben, haben jüngere Menschen einen Großteil ihres Lebens vernetzt verbracht. Aus diesem Grund könnten Urlaube zunehmend nicht mehr als Luxus, sondern als wesentlicher Bestandteil des Wohlbefindens angesehen werden. Sollten die wirtschaftlichen Bedingungen das Reisen erschweren, müssen soziale Tourismusprogramme möglicherweise irgendwann über bestimmte Zielgruppen hinaus ausgeweitet und einem viel breiteren Teil der Gesellschaft zugänglich gemacht werden.“