10 Jahre Brexit ganz persönlich

Born British lebt die Euranet Plus-Kollegin Jo Neville schon lange in Belgien. Den Brexit hat sie vor 10 Jahren auf dem Festland erlebt, zu spüren bekommt sie ihn bis heute. Das Referendum am 23. Juni 2016 hatte mit 52 Prozent der Wählerstimmen für den Austritt aus der EU ein knappes Ergebnis. Für Jo war es vor allem ein niederschmetterndes.

© European Communities , 1997 / Source: EC - Audiovisual Service / Photo: Nathalie Malivoir

„Ich bin in den späten 1970ziger Jahren mit einer vielschichtigen Identität aufgewachsen, die ich nie weiter hinterfragt habe. Ich war Engländerin, ich war Britin, ich war Europäerin … Dann wurde mir plötzlich über Nacht eine ganze Ebene meiner Identität entrissen. Buchstäblich über Nacht. Das hat mir eine lange Trauerphase beschert – ich verwende das Wort ganz bewusst –, und meine Beziehung zu meinem „Mutterland“ ist seitdem nicht mehr ganz dieselbe.“

Für Jo lag plötzlich nicht mehr nur der Ärmelkanal zwischen ihrem Zuhause und ihrer Heimat.

„Den Weg des Brexit von dieser Seite des Kanals aus zu beobachten, war schmerzhaft. Die ständig wechselnden Premierminister, die immer extremere Rhetorik, die Spaltung innerhalb von Familien, inklusive meiner eigenen. Auf ganz praktischer Ebene hat es mein Leben in vielerlei Hinsicht beeinflusst. Während der Coronazeit war ich von meinen Eltern abgeschnitten. Es hat mich dazu veranlasst, eine neue Staatsangehörigkeit anzunehmen, für die ich sehr dankbar bin. Freunde, Familie und auch Unternehmen schicken mir keine Pakete aus dem UK mehr, wegen der hohen Zollgebühren und Formalitäten.“

Mehr Stimmen aus unserem Radionetzwerk zu 10 Jahren Brexit gibt es in der aktuellen Folge des Euranet Plus Panorama-Podcast.