Die Medikamente gehen aus

Uns gehen die Medikamente in der EU aus! Das haben wir jetzt in der Corona-Krise sehr häufig gehört. Aber, nicht Corona hat die Knappheit verursacht, sondern nur wieder stärker zum Thema gemacht. Das sagen u.a. Abgeordnete im EU-Parlament. Claudia Knoppke zu den Forderungen und den Plänen der EU-Kommission.

Amélie Förster | Euranet Plus

Engpässe bei Medikamenten haben sich zwischen 2000 und 2018 um das 20-fache erhöht. Krebsmedikamente, Antibiotika, Impfstoffe, Anästhetika, Behandlungen gegen Bluthochdruck, Herzerkrankungen und Erkrankungen des Nervensystems waren in der EU Mangelware. Ein Grund ist die Verlagerung der Produktion ins nichteuropäische Ausland sagt, die französische Renew-Europe-Abgeordnete Véronique Trillet-Lenoir

„Der zweite Grund: die gestiegene weltweite Nachfrage nach Impfstoffen, insbesondere in Entwicklungsländern; Drittens: Wir arbeiten mit einem Minimum an Lagerbeständen, was die regelmäßige Versorgung mit Arzneimitteln gefährdet. Und in einem geringeren Maß spielen regulatorische, ökologische und wirtschaftliche Zwänge, durch die ein unrentables Medikament aufgegeben wird, eine Rolle bei Engpässen.”

Für Michèle Rivasi von den Europäischen Grünen gibt es aber auch EU-hausgemachte Probleme.

„Das Problem mit Medikamenten ist, dass jedes [EU] Land seinen Arzneimittelpreis festlegt. Es ist kein harmonisierter Markt. Es gibt unterschiedliche Systeme zur Lagerung von Arzneimitteln, es gibt auch Einfuhrquoten. Es handelt sich also nicht wirklich um einen Binnenmarkt, auf dem der freie Drogenverkehr stattfindet. Auch weil es eine Art „Preisgrenze“ gibt, die parallele Märkte schafft.“

In Corona- Zeiten sind dann nationale Interessen dazugekommen. Die grenzüberschreitende Arzneimittelversorgung wurde begrenzt, um nationale Marktknappheit zu vermeiden. Michèle Rivasi schlägt auch vor, um den Engpässen zu begegnen, könnten auch Non-Profit-Organisation die Produktion übernehmen. Für ältere Medikamente beispielsweise, die nicht mehr patentgeschützt sind.

“Die Pharmaunternehmen sind nicht daran interessiert, diese Substanzen herzustellen, weil sie sehr wenig kosten – sie sind daran interessiert, die teuren Medikamente zu verkaufen. Hier brauchen wir möglicherweise gemeinnützige Hersteller, die Medikamente herstellen können, die nicht mehr von Pharmaunternehmen hergestellt werden. “

Die EU-Kommission hat angekündigt, im Laufe des Jahres eine EU- Arzneimittelstrategie vorzulegen.